

Die Lebensbedingungen in den westlichen Industriegesellschaften verändern sich zunehmend und beeinträchtigen den Lebens - und Bewegungsraum von Kindern. Betrachtet man den typischen Tagesablauf eines Kindes im 21. Jahrhundert, so zeigt sich, dass von 24 Stunden ca. 10 Stunden Schlaf, 10 Stunden Sitzen in der Schule und beim Essen, vor dem Fernseher oder Computer verbracht werden und der Bewegungsanteil immer weiter zurückgeht. Dies wird noch dadurch erschwert, dass motorisch begabte Kinder viel mehr Erfolgserlebnisse bei Sport, Spiel und Bewegung sammeln als solche die weniger begabt oder trainiert sind.
" Die Entwicklung des Geistes ist nicht nur mit der Entwicklung des Körpers unzertrennlich verbunden, sondern sie entwickelt auch jede dieser Anlagen vermittelst der anderen und durch sie."
(Pestalozzi: Über die Elementarbildung. 1809)
Wenig Erfolgserlebnisse im Sport führen häufig zu Ausgrenzung und in der Folge zu weiterer körperlicher Inaktivität.. Die Schere zwischen begabten und unbegabten bzw. zwischen trainierten und untrainierten Kindern geht immer weiter auseinander und führt zu einer Aktivitäts- und Inaktivitätsspirale.
Der daraus resultierende Bewegungsmangel verhindert die Entwicklung der motorischen Basisfähigkeiten wie Kraft, Ausdauer, Schnelligkeit und vor allem Koordination. Damit wird die notwendige - und auch für die geistige Entwicklung wichtige - grundlegende und vielfältige Bewegungsentwicklung der Kinder drastisch eingeschränkt. Dies hat aktuelle und langfristig noch nicht abzusehende Folgen (HUBER 2001).
Neuere Untersuchungen von Ärzten an Grundschülern in Deutschland weisen jedoch schon heute auf einen alarmierenden Zustand hin:
So zeigen sich bei 40 - 60 % der Grundschüler Haltungsschwächen, 30- 40 % der Grundschüler haben Koordinationsschwächen, 20 - 30 % ein leistungsschwaches Herz-Kreislaufsystem und 20 - 30 % leiden an Übergewicht, wobei sich diese Zahl in den letzten zehn Jahren verdoppelt hat. Weiterhin fällt auf, dass schon im Grundschulbereich zunehmend psychosoziale Verhaltensauffälligkeiten zu erkennen sind (Bundesarbeitsgemeinschaft zur Förderung haltungs- und bewegungsauffälliger Kinder und Jugendlicher. 1992).
"Durch moderne Lebensverhältnisse sind Kinder mehr gefährdet als jede Altersgruppe, und es wird zunehmend eine gesellschaftspolitische Aufgabe, durch attraktive, ausreichende Bewegungs- und Sportformen den frühzeitigen Haltungsverfall und eine umfassende Gesundheitsgefährdung zu verhindern" (Rieder 1996).
Darauf weist auch die Heilbronner Deklaration hin, die anlässlich des KIDS AKTIV Kongresses 2001 in Heilbronn von allen beteiligten Institutionen und Berufsgruppen formuliert wurde.
Den darin genannten Forderungen und Zielen will das Projekt KIDS AKTIV mit seinen unterschiedlichen Bausteinen Rechnung tragen.
Die Effektivität des Bewegungsprogramms konnte zudem durch eine wissenschaftliche Evaluation der Universität Heidelberg belegt werden (Abschlussbericht Modellstudie).
Die Initiatoren von KIDS AKTIV verbinden mit dem Projekt die Hoffnung und den Wunsch zur Nachahmung, zum Erfahrungsaustausch und zu der Verbreitung des Projekts.
Nach den Testverfahren wird für die Kinder ein spezielles Bewegungsprogramm angeboten, das vom örtlichen Sportverein durchgeführt wird.
Das Ziel des Bewegungsprogramms ist eine Förderung der körperlichen Leistungsfähigkeit und ein Ausgleich von körperlichen Defiziten, z.B. Koordinations-, Muskel- und Haltungsschwächen.
Der Sportverein bietet dabei eine ganzheitlich ausgerichtete Fördermaßnahme vor dem Hintergrund kindlicher Reifungs- und Entwicklungsprozesse an.
Der Hauptschwerpunkt des Übungsangebots liegt auf der motorischen Grundlagenausbildung mit einer gezielten Koordinations- und Haltungsschulung. Die Übungsauswahl ist speziell für Kinder mit Defiziten ausgerichtet und unterscheidet sich dadurch auch vom normalen Sportvereinsangebot. Durch eine zusätzliche Übungsleiterqualifikation (Teilnahme als Übungsleiter) werden die Übungsinhalte genau definiert und in allen beteiligten Gruppen festgelegt.
Spiel und Spaß stehen immer im Vordergrund. Das Angebot ist spielerisch gestaltet, um auch sportschwache Schüler zu motivieren. Somit soll eine Absonderung oder Ausgrenzung von Kindern mit Defiziten verhindert werden. Diese Sportstunde stellt also ein verlockendes Zusatzangebot des Vereins dar.
Dauer, Häufigkeit und Kosten des Angebots obliegen dem jeweiligen Verein. Eine Bezuschussung des Angebots über die Kooperation Schule-Verein ist möglich. Im Rahmen dieser Kooperation besteht auch Versicherungsschutz für alle teilnehmenden Kinder.
Das Bewegungsangebot in Stichworten:
• Kindgerechtes und erlebnisbetontes motorisches Grundlagentraining
• Vermittlung von vielfältigen Bewegungserfahrungen im Sinne eines Ausgleichs allgemeiner oder spezieller Defizite.
• Verbesserung von Muskelkraft und Ausdauerleistung (z. B. Fußgymnastik, Wirbelsäulengymnastik, Haltungsschulung, Ausdauerschulung usw.) in spielerischer Form
• Verbesserung der Bewegungskoordination durch Schulung der koordinativen Fähigkeiten, (u. a. Gleichgewichtsfähigkeit, Reaktionsfähigkeit, kinästhetische Differenzierungsfähigkeit, Orientierungsfähigkeit)
AOK- Die Gesundheitskasse Heilbronn-Franken
Bernd Aunitz
Projektleiter KIDS AKTIV
Fon: 07131/639-375
Fax: 07131/639-415
mail: bernd.aunitz@bw.aok.de
